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Kommentar
Entscheidende Weichenstellung
Totgesagte leben länger: Welchen Beitrag die Distribution im neuen Jahrzehnt für den von manchen Analysten todgesagten Fertigungs- und Entwicklungsstandort Deutschland und Europa leisten kann.
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| Markt&Technik | ![]() |
Seit Ende der 1980er Jahre wird über Europas rückläufige Bedeutung als Produktionsstandort lamentiert. Erst ging die Konsumerelektronik-, dann die PC-Industrie von der Fahne und schließlich traf es auch die Tele- und Datenkommunikation. Mit der Globalisierung wanderten dann auch Produktionsstätten anderer Branchen beschleunigt nach Asien ab. Zwar hat Europa inzwischen einiges getan, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, einige Analysten setzen Europa aber inzwischen fast mit Outback gleich.
Wenn sich die Komponenten- und Subsystemhersteller mit ihren direkten Lieferbeziehungen zunehmend auf Asien konzentrieren, sieht die Distributionsbranche ihre Bedeutung für die europäische Elektronikindustrie in eine neue Dimension wachsen. Mancher spricht bereits von der Dekade der Distribution. Sollten die Hersteller ihren Vertrieb in Europa wirklich drastisch reduzieren, käme sowohl auf die Distributoren als auch ihre Kunden eine in dieser Form wohl noch nicht da gewesene Herausforderung zu.
Es liegt in der Natur der Sache, dass Dienstleistungen in Boomzeiten anders wahrgenommen werden als in Krisenzeiten. Doch gerade vor dem Hintergrund der letzten zwei Jahre bewerten vor allem deutsche Mittelständler Funktion und Aufgabe der Distribution kritisch. In ihren Augen hat die Distribution eine katalytische Wirkung. Speziell die Erfahrung, dass vor allem große, Börsennotierte Unternehmen in Krisenzeiten verstärkt zur Cash-is-King-Philosophie neigen, weckt gerade bei Mittelständlern Besorgnis.
Anregungen, in Zukunft doch zum Zwecke des besseren Supply-Chain-Managements sich auf einige wenige Distributoren zu beschränken, dürfte gerade bei Mittelständlern eher ein Zögern auslösen. Aus ihrer Sicht erhöht sich damit die Abhängigkeit, ihre Flexibilität leidet und ihre technische Marktführerschaft könnte in Frage gestellt werden.
Kein Zweifel, die Distributoren sind näher am deutschen und europäischen Mittelstand dran als viele internationale Komponenten- und Subsystemhersteller. Wenn sie noch stärker aufeinander angewiesen sein sollten, bedarf es wohl auf beiden Seiten einer größeren Offenheit. Niemand legt sich mal auf Verdacht für ein paar Mio. Euro Ware auf‘s Lager. Zuverlässige Forecasts, die vielleicht auch über die nächsten drei Monate hinausreichen, geben beiden Seiten Planungssicherheit und erhöhen die Zuverlässigkeit der Lieferkette.
Der Vorteil von Krisenzeiten liegt darin, dass er Schwachstellen aufdeckt. Daraus dann nachhaltige Konsequenzen zu ziehen und Lösungen zum beiderseitigen Vorteil zu finden, dürfte genau die Basis sein, auf der sich die Distribution in der neuen Dekade zu dem entscheidenden Baustein für die Zukunft des Entwicklungs- und Produktionsstandortes Deutschland/Europa entwickelt. Oder wie sagt Rick in der Schlussszene von Casablanca zu Captain Renault: »Ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft«.
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