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Da fehlt's doch!
Ingenieure kann man heute einkaufen wie Rohware, um Stundenlöhne wird gefeilscht wie auf dem Basar – welches Licht wirft das auf den Ingenieurmangel?
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Letztens war ich auf einer Presseveranstaltung, bei der es – wieder mal – um den Ingenieurmangel ging und um die Frage, was Unternehmen dagegen tun.
Veranstalter war ein großer Verein für Ingenieure. Auf dem Podium saßen allesamt Unternehmen, die zusammen mit diesem Ingenieurverein als Sponsoren Aktionen organisieren, bei denen sie gut aussehen und als attraktiver Arbeitgeber rüberkommen.
Im Publikum: PR-Fachleute und Journalisten. Dann war ich dran. Warum empfehlen so viele Ingenieurväter ihr Studium dem eigenen Nachwuchs nicht mehr weiter? Warum findet man in den Stellenmärkten der Tageszeitungen und Internetbörsen so viele Stellenausschreibungen über Zeitarbeitsfirmen? Wenn der Mangel wirklich so groß ist, wäre es dann nicht besser, eigenes Personal zu finden und zu binden?
Der einzige, der mir antworten wollte, war der Mann von der Zeitarbeitsfirma. Richtig interessant wurde es aber erst hernach beim Gespräch unter vier Augen: Ja, stimmt schon. Wenn, sagen wir mal, BMW ein Projekt für einen Dienstleister ausschreibt, kann es vorkommen, dass alle angesprochenen Dienstleister gleichzeitig für dieses Projekt dieselben Leute suchen. Also angenommen, es werden zwei Ingenieure benötigt und vier Dienstleister sind im Rennen, macht das acht Stellengesuche, die öffentlich erscheinen, obwohl es eigentlich nur um zwei ausgeschriebene Jobs geht. Als nächstes wird dann die „Ingenieurlücke“, die der große Ingenieurverein regelmäßig zusammen mit dem großen Umfrageinstitut der deutschen Wirtschaft publiziert, wieder angestiegen sein.
Was der Herr von der Zeitarbeitsfirma noch sagte: er bemühe sich redlich um seine angestellten Ingenieure, man zahle sogar nach IG-Metall-Tarif inklusive Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, investiere stark in Weiterbildung. Einmal habe er sogar zwei Ingenieure von einem Projekt abgezogen, weil sich der Auftraggeber abfällig über das Geschäftsmodell “Arbeitnehmerüberlassung” geäußert habe, das dulde er nicht, seine Leute seien keine Ingenieure zweiter Klasse. Das alles kostet natürlich: So zahlt der Kunde 59 Euro für die Ingenieursstunde – anderswo werden aber Dumping-Preise von 39 Euro geboten. Personal kann man heute einkaufen wie Rohware – Unternehmensberater raten sogar, diesen Part dem Konzern-Einkauf zu unterstellen und bieten entsprechende Seminare an.
Puh, was für eine durchsichtige PR-Veranstaltung war das doch. Der Kollege einer großen Zeitung aus Frankfurt fand das offensichtlich auch – eine kurze, offene Frage zum Bachelor-Studium, bei der die Unternehmen wieder richtig gut aussehen konnten („Bachelor – toller Abschluss, suchen wir“), und dann war er auch schon wieder weg. Keine Nachfrage? Immerhin ist es um das Image des Bachelors stellenweise sehr schlecht bestellt, etwa in der Physik. Verbände wie der VDE raten Studenten ehrlicherweise zum Master, obwohl dieser eigentlich nur 20 Prozent aller Abschlüsse ausmachen soll. Ob es daran lag, dass die große Zeitung aus Frankfurt offizieller Karriere-Partner des Ingenieurvereins ist?
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